07. Sep. 2016

Adobe „Phone Home”: Erläuterung von Adobe Genuine Software Integrity Service

Die Adobe Software die Sie benutzen könnte nicht authentisch sein. Hier wird Adobe’s Software Integrity Service erklärt.

Erinnern Sie sich noch an E.T.? Den auf der Erde gestrandeten liebenswerten Außerirdischen auf der Suche nach Unterschlupf? Im gleichnamigen Science-Fiction-Film aus den 1980er Jahren wird sein inständiger Wunsch  „nach Hause telefonieren“  zum geflügelten Wort. Mit dem neuen Genuine Software Integrity Service von Adobe kehrt nun das „Phone Home”-Konzept zurück. Jeder von uns kann es an seinem PC-Bildschirm erleben. Mit dem einzigen Unterschied, dass Adobe nicht etwa Heimweh nach Hause hat, sondern die Verbreitung nicht-authentischer Software-Produkte unterbinden möchte.

Der Adobe Software Integrity Service sorgt dafür, dass bereits installierte Adobe-Softwareprodukte regelmäßig validiert werden. Bei Hinweisen auf falsche oder ungültige Lizenzen oder unbefugte Dateizugriffe wird veranlasst, dass der Service automatisch „nach Hause telefoniert“, also dem Unternehmen eine betrügerische Nutzung meldet. Bei der Validierung wird nach unzulässigen Seriennummern gesucht und festgestellt, ob der Softwarecode „einen oder mehrere der derzeit bekannten Softwarehacks“ aufweist. Die betrügerischen Nutzer erhalten dann folgende Meldung: "The Adobe software you are using is not genuine". Das bedeutet, dass die von Ihnen verwendete Software „keine Originalsoftware“ ist.

Kein Audit im herkömmlichen Sinn

Adobe und andere Softwarehersteller nutzen diese Technologie als neue, automatisierte Methode, um gefälschten Kopien und anderen nicht lizenzierten Nutzungsweisen ihrer Software auf die Spur zu kommen. Im Prinzip liegt genau darin der ursprüngliche Sinn eines Software-Audits. Anders als das von Softwareherstellern zur Aufdeckung von Lizenzmissbrauch in Unternehmen verwendete traditionelle Audit jedoch hat es der Adobe Software Integrity Service vor allem auf gefälschte Software abgesehen.

Der Service wurde bei einer Gruppe ausgewählter Acrobat-X-Kunden in den USA eingeführt. Unternehmen gehören bisher nicht dazu, es sei denn, Mitarbeiter erwerben Consumer-Lizenzen für Acrobat X in den USA oder das Unternehmen kauft Adobe-Lizenzen bei nicht-qualifizierten Händlern, beziehungsweise erwirbt Hardware mit vorinstallierter Adobe-Software.

Über die Nutzung von Adobe Desktop-Anwendungen, die entweder mit Creative Cloud Packager, Enterprise-IDs oder Adobe Volume Licensing installiert wurden, erhebt Adobe derzeit keine Daten. Es ist noch unklar, wie sich die fehlenden Informationen auf die Validierung auswirken werden. Fraglich ist aktuell auch, ob die Integritätsprüfung komplexere Produktnutzungsrechte wie Sekundärnutzung oder Downgrades analysieren kann.

Zukunftsszenarien

Adobe vertreibt seinen „Phone Home“-Service über mehrere Kanäle. Produkt-Updates, Adobe Application Manager und Creative Cloud Installer –  bei allem wird der Software Integrity Service mitgeliefert.  Verstärkte Vertriebsaktivitäten könnten darauf hindeuten, dass Adobe den Service zu einem späteren Zeitpunkt auch für andere Produkte verfügbar machen will.

Sollte der Software Integrity Service später auch für Unternehmen eingeführt werden, würde dies dem Hersteller deutlich niedrigere Auditkosten bescheren. In diesem Moment könnten Auditdaten automatisch erhoben werden ohne Einsatz eines Auditors vor Ort. Und damit würde die Zahl der Audits für die Unternehmen steigen, weil Adobe diese schneller, kostengünstiger und einfacher durchführen kann. 

Es bleibt abzuwarten, ob Adobe den Service auch für Cloud-Lizenzen einführen wird. In diesem Fall wäre eine flexible Lizenzkaufoption für Unternehmen denkbar, die Software zeitlich begrenzt nutzen wollen, z. B. stundenweise. Adobe könnte Stundenpreise anbieten und die Nutzer automatisch warnen, wenn die gebuchte Zeit abläuft. Ein solches Modell würde für Unternehmen das Preis-Leistungs-Verhältnis der Produkte verbessern und dem „Phone Home“-Service eine direkte Umsatzquelle eröffnen. „Nach Hause telefonieren“ kann also viele Gründe haben – und Geld ist mit Sicherheit nicht der schlechteste.



Themen: Adobe, Software Audits