08. Nov. 2016

SAM in Oracle-Umgebungen

Compliance oder die Herausforderung, ein bewegliches Ziel sicher zu treffen

Beim Stichwort Oracle-Lizenzierung stellt sich immer die gleiche Frage: Warum macht uns Oracle die Lizenzierung so schwer? Die Antwort ist einfach: weil sie entscheiden
In den folgenden drei Punkten sind sich alle IT-Experten einig:

  1. Datenbank- und Softwareanwendungen von Oracle sind Spitzenprodukte
  2. Kaum ein anderes Lizenzsystem der Branche ist so kompliziert und schwer verständlich wie die Bestimmungen in den Lizenzverträgen von Oracle
  3. Oracle ändert seine Lizenzierungsparameter häufig, ohne die Änderungen klar zu kommunizieren

Willkommen also in der Welt von Oracle, in der wir nun einmal leben. Von komplexen, uneinheitlichen Lizenzregeln, über häufige Übernahmen bis hin zur Integration anderer Hersteller, gleicht „Business as usual“ bei Oracle-Produkten eher einem Glücksspiel.

Oracle – Komplexität und Herausforderung

Wenn Sie in Oracle-Produkte investieren, hängt der Erfolg wesentlich davon ab, wie gut Sie auf die Fallstricke vorbereitet ist. Als Grundregel gilt, dass Oracle zwar Rabatte, jedoch wenig Spielraum bei der Vertragsgestaltung einräumt. Nach Vertragsabschluss fallen dann meist hohe Wartungsgebühren an, die jährlich teurer werden und – das zeigen Erfahrungen – schwer verhandelbar sind. Es ist auch bekannt, dass Wartungsgebühren und Audits bei Oracle einen höheren Umsatzanteil ausmachen als der Verkauf von Softwarelizenzen. Der Ausgangspunkt ist oft ein „freundliches“ Gespräch mit einem Oracle-Vertriebsmitarbeiter oder eine Umfrage bezüglich der Kaufgewohnheiten, auf deren Basis dann die Durchführung eines Audits gerechtfertigt wird.

Willkürliche Verträge, aufwendige Lizenzierung, undurchsichtige Metriken

Oracle verwendet vor allem zwei Arten von Vertragsmodellen: das Enterprise License Agreement (ELA) und das Unlimited License Agreement (ULA). Beide haben Vor- und Nachteile – und sind gleichermaßen schwer durchschaubar. Beim ELA ist der Lizenzpreis an den Umsatz oder die Mitarbeiterzahl Ihres Unternehmens gekoppelt und erhöht sich gegebenenfalls entsprechend. Natürliche Schwankungen der Unternehmensgröße machen die Vertragsgestaltung und -verwaltung von ELAs schwierig. Beim ULA dagegen gilt für die vereinbarte Gebühr eine unbegrenzte Installationsberechtigung, die sich jedoch nur auf die im Vertrag genannten Produkte bezieht. Die interne Kommunikation muss also zuverlässig und lückenlos funktionieren, um versehentliche unlizenzierte Installationen zu vermeiden. Läuft ein ULA ab und wird nicht verlängert, schreibt Oracle eine Neubestandsaufnahme vor, also eine Zählung der über das Ausgangsvolumen hinaus neu hinzugekommenen Installationen. Diese wird dann als das Volumen „neuer“ Lizenzen im Besitz Ihres Unternehmens betrachtet und ist mit laufenden Wartungsgebühren verbunden. Es kann also sein, dass Ihr Lizenzvertrag plötzlich nicht mehr derselbe ist wie zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses vor zwei Jahren.

Wer Oracle-Produkte lizenzieren möchte, muss den Zusammenhang zwischen installierten („installed“) und/oder genutzten („running“) Produkten kennen. Die aktuellen Metriken sind Named User Plus (NUP) und Prozessor. Sie repräsentieren die Art der Softwareimplementierung bezogen auf Nutzerzahl und CPU-Typ, -Hersteller und -Anzahl. Der Begriff „Nutzer“ umfasst zudem nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Geschäftspartner und Geräte. Named User Plus (NUP) steht für die einzelnen Nutzer, die berechtigt sind, Daten über die Oracle-Software zu empfangen oder zu generieren, unabhängig davon, ob sie die Anwendung aktiv nutzen. Viele Unternehmen schrecken vor der NUP-Metrik zurück, weil sich die Feststellung der Nutzer sehr schwierig gestaltet. Prozessor-Metriken stehen für alle Prozessoren, auf denen Oracle-Produkte laufen und/oder installiert sind, und beziehen sich auf die Prozessorkerne. Die Herausforderung besteht immer darin, die jeweils richtige Metrik anzuwenden, da Prozessoren – unabhängig vom Hersteller – unterschiedliche Core Factors  haben.

Oracle macht zwar einen Unterschied zwischen „installierter“ und/oder „ausgeführter“ Software, in der Praxis ist es jedoch schwierig nachzuweisen, dass ein Paket lediglich installiert ist und nicht genutzt wird. Die Oracle-Datenbank zum Beispiel installiert sich automatisch mit „Management Packs“. Jedes installierte Pack erfordert eine Lizenz, es sei denn, Sie weisen nach, was de facto nicht nachgewiesen werden kann: nämlich, dass die Installation nie genutzt wurde. Für zusätzliche Verwirrung sorgt Oracle mit seinem „Honor System“, das es allzu leicht macht, Packs zu nutzen und Funktionen zu aktivieren, die keine aktuelle Lizenz haben. Dadurch entsteht zusätzlicher Lizenzierungsbedarf, wenn diese Oracle-Funktionen von zugehörigen Anwendungen genutzt werden. Oracles regelmäßige Zukäufe von Software anderer Hersteller erhöhen zudem das Risiko von Compliance-Verstößen und steigern die Supportgebühren. Ein Unternehmen muss also die Nutzung von Oracle-Produkten permanent im Blick behalten, damit seine Administratoren präventiv alle unnötigen oder unlizenzierten Packs deinstallieren und/oder Funktionen deaktivieren können.

Erfolgreiches Oracle SAM-Programm

Ein effektives, erfolgreiches SAM-Programm in der Oracle-Umgebung gelingt nur mit einem durchdachten, strukturierten Ansatz. Der erste wichtige Schritt ist dabei die Erfassung der Daten. Die Oracle-Software ist mit strengen Sicherheitsfunktionen geschützt (z. B. Firewalls), man benötigt also ein hoch entwickeltes (oft agentenloses) Erfassungstool, um alle erforderlichen Daten zusammenzutragen. Da diese von mehreren Plattformen stammen, muss das Tool präzise Hardware-Details und physisches/virtuelles Mapping erkennen können und die so ermittelten Daten dem SAM-Tool zuführen.

Oracle ist dafür bekannt, die Lizenzregeln häufig zu ändern und dies nicht vorher anzukündigen, was kostspielige Änderungen der IT-Landschaft und damit hohe finanzielle Risiken nach sich zieht. Ihr SAM-Tool muss also über einen Katalog der Lizenzbestimmungen und -berechtigungen sowie eine flexible Architektur verfügen. Lizenzregeländerungen sollten damit problemlos integriert und Metriken automatisch berechnet werden können, um den tatsächlichen Lizenzbedarf zu ermitteln. Darüber hinaus sollte Ihr SAM-Tool berücksichtigen, dass bei Oracle das gleiche Produkt mit zwei verschiedenen Metriken lizenziert werden kann. Es sollte dann den entsprechenden Lizenzierungsbedarf für jede Metrik ermitteln, um die besten Strategien zur Kostenreduzierung zu ermitteln.

Fazit: Ihr SAM-Tool sollte in der Lage sein, bewegliche Ziele wie Oracle sicher zu treffen.

Was als Nächstes zu tun ist:

  • TRANSPARENZ: sofortige, genaue und vollständige Erfassung der erforderlichen Daten
  • WISSEN: Bildung eines spezialisierten Teams aus internen und externen Experten
  • OPTIMIERUNG: Auswahl des für Ihre Anforderungen geeigneten Vertrags, Aushandeln günstiger Bedingungen und Preise sowie Sicherstellung einer korrekten (und somit kosteneffizienten) Oracle-Implementierung
  • MANAGEMENT: offene, ehrliche Zusammenarbeit mit Oracle, jedoch ohne unnötig viele Informationen preiszugeben, die gegen Sie verwendet werden könnten
  • STRATEGIE: Erstellung eines umfassenden SAM-Programms – ein wichtiger Faktor, der über Erfolg und Misserfolg entscheiden kann

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Themen: Software Audits, Oracle




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