14. Aug. 2018

SAP ändert Regeln für die indirekte Nutzung – Details bleiben im Dunkeln

Der Oberste Gerichtshof des Vereinigten Königreichs entschied 2017, dass Diageo SAP® über 54 Millionen Britische Pfund an Nachzahlungen für die indirekte Nutzung seiner Software schuldet. SAP-Kunden in aller Welt versetzte das in Aufregung. Was kommt als Nächstes? Oder besser gesagt, wer ist der Nächste?

Anfang April 2018 versuchte SAP, diese Befürchtungen zu zerstreuen. Sie ergänzten neue Regeln für die Lizenzierung und die indirekte Nutzung. Die Lizenzierung wurde auf die digitale Nutzung umstellt. Ziel war die Anpassung des Lizenzierungsmodells an die schnelllebige digitale Landschaft des 21. Jahrhunderts mit Geräten, Clouds, Bots sowie Plattformen und Anwendungen von Drittanbietern.

SAP Indirect Access Rules are Changing

Dieser Schachzug sollte - dank einer neuen Lizenzmetrik - für mehr Klarheit sorgen. Doch er warf viele Fragen und Unsicherheiten hinsichtlich des laufenden SAP-Lizenzmanagements auf.

Menschlicher Zugriff im Vergleich zur digitalen Nutzung

SAP Direct Access, mittlerweile der sogenannte „menschliche Zugriff“, wurde und wird auch weiterhin auf Basis des Lizenzmodells SAP Named User Plus-Paket für die meisten Lösungen an Ort und Stelle lizenziert. Bis heute wurde dieses Lizenzierungsmodell (inzwischen als „altes“ Lizenzierungsmodell bezeichnet) auch für so gut wie alle indirekten/digitalen Nutzungsszenarien verwendet. Das führte zu hohen Zusatzkosten.

Gemäß dem alten Lizenzierungsmodell und der im Juli 2017 neu eingeführten Richtlinie für die indirekte Nutzung findet für die meisten Szenarien bei Nutzung durch Dritte die Richtlinie für das Named User Plus-Paket auch weiterhin Anwendung. Ausnahmen gelten für die Szenarien Order-to-Cash, Procure-to-Pay und „Indirect Static Read“.

SAPs neue Lizenzierungsregeln für die digitale Nutzung, die seit April 2018 gültig ist, bieten jetzt eine Lizenzierung auf Basis der Metrik „Dokumente“. Sie erkennt die neun verschiedenen Dokumenttypen für Vertrieb, Rechnungen und andere Geschäftsergebnisse. Der Lizenzbedarf für das Dokument wird lediglich durch die erste Erstellung einer dieser Dokumenttypen bestimmt. Lese-, Aktualisierungs- oder Löschzugriffe für dieses Dokument verursachen keine weiteren Kosten.

Weg mit der Komplexität. Zurück mit der Komplexität?

Das neue Lizenzierungsmodell auf Basis von Dokumenttypen hat neue, unklare Bereiche geschaffen. Viele Fragen bleiben weiterhin unbeantwortet. Warten Sie ab, um zu sehen, wie sich die Dinge und Informationen entwickeln, und bereiten Sie sich langsam vor.

Die dokumentbasierte Lizenzierung ist das vorgesehene Lizenzierungsmodell für die digitale Nutzung. Auf technischer Seite wird daher eine Trennung zwischen den verschiedenen Nutzungsarten erforderlich, die möglicherweise zu einer Erzeugung von Dokumenten führen können. Die Erstellung von Dokumenten ist über den menschlichen Zugriff und SAP-Anwendungszugriff (inkl. Anwendungen Dritter von SAP LPC) durch andere Lizenztypen abgedeckt. Dagegen wird durch den eingehenden Datenverkehr der digitalen Nutzung der Zähler für Dokumentlizenzen ausgelöst.

Demzufolge sind auf der Senderseite entsprechende Kennungen und auf der Empfängerseite eine Messmöglichkeit erforderlich. Laut SAP wird beides nicht vor August 2018 verfügbar sein.

SAP-Kunden stehen drei Optionen zur Auswahl:

  1. Nichts tun und die bestehenden Verträge nutzen – das alte Lizenzierungsmodell gilt für alle Szenarien
  2. Von vorhandenen Lizenzen (wie z. B. Vertrieb/Service-Auftragsausführung) zum neuen, dokumentbasierten Lizenzmodell wechseln
  3. Aktuelle Verträge in neue Verträge mit den Dokumentlizenzen und S/4HANA umwandeln

Die dritte Option macht S/4HANA zu einer attraktiven Option. SAP möchte seine Kunden in diese Richtung steuern. Die offenkundige Frage bei der zweiten Option ist die, ob der Lizenzwechsel mehr oder weniger Kosten verursacht. Ohne eine Messmöglichkeit auf Empfängerseite scheint ein gültiger/präziser Kostenvergleich sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich.

Das SAP-Geduldsspiel beginnt

In der Zwischenzeit arbeiten die Anbieter für das Software Asset Management mit SAP an den technischen Details.

Dokumentlizenzen sind eine positive Entwicklung beim Umgang mit der indirekten/digitalen Nutzung. Die Regeln wurden jetzt zwar den Gegebenheiten der heutigen digitalen Welt angepasst, beinhalten aber dennoch viele Unbekannte. Daher ist vorsichtiger Optimismus angebracht.

Solange SAP die versprochene Transparenz nicht vollends zur Verfügung stellt, sollten die Kunden abwarten. Versorgen Sie sich mit ausreichend Informationen und bleiben Sie am Ball.



Themen: SAP




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