28. Jul. 2016

Keine Grenzen nach oben: Über den Umgang mit Software im Zeitalter der Hybrid Cloud

Cloud ist ein Thema, das sich mit Lichtgeschwindigkeit weiterentwickelt. Laut Schätzungen des Forbes-Magazin werden sich die Software-Umsätze, die mit Global SaaS (Software as a Service) erzielt werden, in 2016 voraussichtlich auf 160 Mrd. USD belaufen. In eine ähnliche Richtung geht ein kürzlich veröffentlichter CIO-Artikel, der angab, dass 93 % der Unternehmen schon heute eine Form der Cloud-Technologie nutzen.

Auch das Rennen unter den Softwareanbietern hat begonnen, um im Übergang zur Cloud wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Gebühren für Cloud-Dienste (wie SaaS) mindern gegenwärtig deren Umsätze und kurzfristigen Gewinne. Ihre Audits dürften folglich darauf zielen, entgangene Vertriebseinnahmen anderweitig zu generieren. Tatsächlich sehen 53 % der Cloud-Spezialisten in Unternehmen die Themenfelder „Compliance, Verwaltungskosten, Kostenkontrolle“ als die größten Herausforderungen im Zusammenhang mit der Cloud.

Doch die Migration in die Cloud hat auch gute Seiten!

Denn während die Anbieter noch Methoden entwickeln, mit denen sie die Compliance von Cloud-Lizenzen überprüfen können, können Sie und Ihr Unternehmen einen Schritt schneller sein. Einfach, indem Sie sicherstellen, dass Ihr SAM-Programm (Software Asset Management) in der Lage ist, die Herausforderungen der Cloud präzise zu meistern. Denken Sie strategisch in Sachen Lizenzmanagement und bereiten Sie sich auf die anstehenden Veränderungen vor.

Die neue Weltordnung ist hybrid

Die meisten von uns nutzen bereits eine Hybrid Cloud. Sie erwerben Lizenzen sowohl „on-premise“ als auch bei cloud-basierten Diensten. Im vergangenen Jahr verfolgten 82 % aller Unternehmen eine Hybrid-Cloud-Strategie, gegenüber 75 % im Jahr 2014. Diese prekäre Lage lässt sich schwerlich vermeiden. Die meisten Anbieter sind gezwungen, die traditionellen Formen der Lizenzierung aufzugeben, und die meisten Organisationen sind noch nicht in der Lage, zu 100 % in einer cloud-basierten Umgebung zu arbeiten.

Doch wie wir sehen können, haben die Anbieter ihre Taktik bereits angepasst: Sie nutzen Audits aktiv, um Cloud-Angebote zu bewerben. Da die Hersteller unter dem Druck stehen, Sie in die Cloud zu bringen, könnte der Audit-Prozess möglicherweise Vorteile für Sie haben, wenn Sie verhandlungsbereit sind.

Dies kann sich auf zweierlei Weise auf Ihr SAM-Programm auswirken. Die Hintergründe zu kennen, ist für Ihre Verhandlungsstrategie mit den Softwareherstellern von entscheidender Bedeutung.

  1. Tauschen ungenutzter herkömmlicher Lizenzen in Cloud-Dienste. Anbieter versuchen mit allen Mitteln, Cloud-Abonnements zu forcieren. Daher können Sie während der Audit-Verhandlungen ungenutzte Softwarelizenzen (Lizenzierung von Software, die Sie bereits besitzen, aber nicht benötigen oder nutzen) sowie Zahlungen für Wartung proaktiv in neue Cloud-Dienste migrieren. Größere Anbieter bieten verschiedene Programme an und locken mit Rabatten und Anreizen für einen Umstieg. Rabattierte Cloud-Dienste sollten Sie jedoch nur gegen Lizenzen eintauschen, die Sie wirklich nicht benötigen. Es gibt durchaus Kunden, die von extrem hohen Rabatten aus solchen Programmen profitieren, weil sie sich eine gute Verhandlungsposition gegenüber ihrem Anbieter verschafft haben.
  2. Erwerb von Cloud-Diensten zur Vermeidung von Audit-Gebühren. Anbieter können Sie während eines Audits zum Kauf von Cloud-Diensten anstelle von zusätzlichen Gebühren drängen, selbst wenn Sie diese nicht benötigen. Der Verkauf von Cloud-Diensten hat für Anbieter weiterhin höchste Priorität, auch wenn viele Cloud-Abonnements erst später oder am Ende vielleicht gar nicht implementiert werden. Auch wenn Office 365 als besonders umsatzstark gilt, sind Organisationen, die diese Lizenzen gekauft haben, möglicherweise nicht in der Lage, sie auch zu nutzen. Achten Sie sorgfältig darauf, welche Abo-Dienste Sie jetzt benötigen und vermeiden Sie Ausgaben für Cloud-Lizenzen, die für Sie letztendlich nur ungenutzte Software bleiben.

Cloud-Compliance: viele Fallstricke lauern

Ein beliebter Mythos in der Branche besteht in der Annahme, das Compliance-Risiko würde mit zunehmendem Übergang in die Cloud geringer. Untersuchungen von Gartner zufolge verschieben sich jedoch die Compliance-Metriken mit zunehmender Verbreitung von SaaS von einem einfachen, von der Stückzahl abhängigen System (pro CPU, pro Kern, pro Installation) zu einem komplexen, verbrauchsabhängigen System (pro CPU-Stunde, pro autorisiertem User zu einem bestimmten Zeitpunkt). Welche Auswirkungen haben veränderte Compliance-Metriken auf Ihr Risiko? Verbrauchsabhängige Metriken können zusätzliche, ernsthafte finanzielle Risiken in Form unerwarteter Kosten mit sich bringen. Das gilt insbesondere, wenn mehr Stunden als vorgesehen verbraucht werden. Eine effektive Lösung besteht darin, in Ihrer SAM-Architektur eine verbrauchsabhängige Analyse zu implementieren, um unerwartete Kosten zu vermeiden und die durchgängige Nutzung sicherzustellen.

Zusätzlich zu den Veränderungen der Metriken gibt es weitere Bereiche, in denen die Cloud ein erhöhtes Compliance-Risiko für Ihre Organisation darstellt. Doch es gibt eine Reihe von Methoden, mit denen Sie sich gegen die Risiken schützen und so Ihr SAM-Fundament „cloudsicher“ machen:

  • Nicht genehmigte oder nicht erkannte Services: Cloud-Services können außerhalb der IT-Abteilungen erworben werden.
  • Hybride Verwendung: Ihre Cloud-Nutzer können neben Cloud-Services auch „On-premise“-Services nutzen.
  • Gemeinsame Nutzung von Berechtigungen: Ist der Nutzer Ihres Services wirklich ein autorisierter Nutzer?
  • Geografien: Gibt es eine Nutzung außerhalb des lizenzierten Territoriums?
  • Rechtsträger: Gibt es eine Nutzung außerhalb des lizenzierten Unternehmens?
  • Multiplexing/Systemintegration: Erhöhtes Potenzial einer „indirekten Nutzung“.
  • Zugriff von Dritten: Zusätzliches Compliance-Risiko.

Die Entdeckung der Cloud: es wird erstmal stürmisch

Ohne Zweifel ist der Erfolg jeder SAM-Lösung von multiplen Datenquellen für Ihr Software-Inventar abhängig, die allesamt präzise und aktuell sein müssen. Jedoch werden Cloud-Services die aktuellen Discovery Tools an ihre Grenzen bringen.

Wenn Sie Ihre SAM-Umgebung an die Cloud anpassen wollen, werden Discovery Tools schnell überflüssig. In einem Bericht aus dem Jahr 2016 geht Gartner sogar davon aus, dass die vorhandenen Discovery Tools im Jahr 2019 für 90 % der Anforderungen an SAM unbrauchbar sein werden.

Ein Programm, das heute in Ihrer Windows-Umgebung läuft, werden Sie in Ihrer mobilen oder Cloud-Umgebung nicht mehr verwenden können. Sie können solche Risiken abmildern, indem Sie Ihre SAM-Architektur um zusätzliche Datenquellen und Programme erweitern, damit Sie aktuelle Veränderungen der Lizenzierungsmodelle identifizieren können.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, die Bereitstellung umfangreicher Cloud-Services zu verwalten. Gartner kommt zu dem Schluss, dass SaaS-Anwendungen gut geeignet sind, um Ihre SAM Discovery Strategie voranzutreiben und schätzt darüber hinaus, dass die Verwendung von SaaS im Jahr 2017 in 75 % der Organisationen von nicht genehmigten und nicht erkannten Services beherrscht werden wird. SaaS wird damit zur Zielscheibe im Hinblick auf fehlende Compliance und gescheiterte Audits.

Daher sollte der Überblick über nicht erkannte Services oberste Priorität für Sie haben. Maximale Kontrolle ist unerlässlich, weil die Cloud sehr schnell wächst und nicht-betreute Assets meistens zu erhöhten Audit-Aktivitäten führen. Viele Anbieter werden sich darum bemühen, Sie in die Cloud zu bringen und bereiten vielleicht gerade die nächste Audit-Welle vor. Nutzen Sie die Zeit, um Ihre Systeme in Ordnung zu bringen und überwachen Sie Veränderungen in Ihren Lizenzmodellen.  

Der Ausblick: sonnig – aber überstürzen Sie nichts

Bei allem was Sie tun: Bleiben Sie am Boden, auch wenn sich alles immer mehr in die Cloud verlagert. Beachten Sie bei der Umstellung in die Cloud, dass es keinen Grund gibt, traditionelle Services ganz aufzugeben.

Ältere Anwendungen so schnell wie möglich zu beenden, kann sich verheerend auf Ihr IT-Budget auswirken. Es macht sie bei einem Audit verwundbar, wenn Sie gezwungen sind, ausgesonderte Lizenzen wieder einzusetzen. Positionieren Sie sich richtig – mit einem konzertierten Plan, mit dem Sie im Zeitalter der Hybrid Cloud eine gute Balance herstellen.

Ganz wichtig: Handeln Sie strategisch! Softwareanbieter tun zurzeit alles, um mit der Cloud Umsätze zu generieren. Nutzen Sie diese Tatsache zu Ihrem Vorteil. Achten Sie darauf, dass Ihr SAM-Programm dynamisch bleibt und sich weiterentwickeln kann, wenn Sie dann über die Wolken hinauswachsen.



Themen: Cloud




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