04. Okt. 2016

Wie eine Brust einen Copyright-Streit auslöste

Kürzlich kam es im Internet zu einer Auseinandersetzung zwischen einem Café-Betreiber und einer Fotografin. Der Café-Betreiber fand im Internet das Foto einer stillenden Mutter und postete es im Rahmen einer Werbeaktion in seinem Facebook-Feed. Die Erlaubnis der Fotografin, das Foto zu nutzen, holte er nicht ein, und bezahlen wollte er für die Nutzung schon gar nicht. Auch der Aufforderung, das Foto zu entfernen, kam er nicht nach und ging stattdessen zum Gegenangriff über.

Zitat aus dem entsprechenden PetaPixel-Artikel: „Statt das Foto und den Post zu löschen… veröffentlichte das White Moose Café heute [Melina McGrew] McConnaughys Nachricht und eine öffentliche Antwort auf ihre [private] Anfrage. In spöttischem Ton erklärte der Café-Betreiber, warum sie froh über die öffentliche Aufmerksamkeit infolge des Original-Posts sein sollte.“

Ein Großteil der Facebook-Follower des Cafés stellte sich daraufhin auf die Seite der Fotografin und verteidigte vehement ihre künstlerischen Rechte am Originalbild.

Nackte Tatsachen

Was hat Software Asset Management mit diesem Vorfall zu tun? Auch für das Management eines Unternehmens ist oft nicht nachvollziehbar, warum ihre SAM-Experten beim Thema Softwarenutzung so viel Vorsicht walten lassen.

Software muss verwaltet werden, um nicht gegen Lizenzvorschriften zu verstoßen. Aber warum ist Compliance so wichtig? Weil Compliance nichts anderes ist als Copyright – es geht darum, das Urheberrecht zu respektieren und keine Urheberrechtsverletzungen zu begehen.

Das Urheberrecht regelt aber nicht nur, was genutzt werden darf, sondern auch die Art und Weise der Nutzung. 

Alles abgedeckt

Das Urheberrecht oder Copyright schützt schöpferische Arbeiten: Kunst, Musik, Literatur, Code, Architektur usw. Der Schöpfer kann entweder eine Person, etwa ein Fotograf, aber auch ein Unternehmen sein, das die Eigentumsrechte an den Werken seiner Mitarbeiter besitzt.

In der Softwarebranche bereitete Adobe Systems schon vor fast 20 Jahren den Weg für Copyright-Maßnahmen. Das Unternehmen strebte damals den Schutz der von ihm geschaffenen digitalen Schriftarten an. Während eines aufsehenerregenden Gerichtsverfahrens erstritt sich Adobe 1998 die Möglichkeit, die Urheberrechte auf die Schrift Utopia geltend zu machen. Das Urheberrecht bezieht sich im konkreten Fall auf die Konturpunkte, die das Design kreativ definieren. Aus der Wikipedia-Zusammenfassung der Gerichtsverhandlung: „[Das] Gericht stellte fest, dass die Wahl der Konturpunkte durch den Font-Editor ein Werk ursprünglicher Autorschaft darstellte ... Bei der Auswahl der Konturpunkte war Kreativität involviert[.]“

Software-Anbieter verdienen Geld damit, dass die von ihnen entwickelte Software genutzt wird. Übertragen auf den Bereich SAM-Compliance bedeutet das: Welche Folgen hat es, wenn Sie eine Software-Lizenz nicht oder nicht korrekt bezahlen? Sie bleiben Geld schuldig und es kann Ihnen ein Verfahren drohen.

Nichts zu verbergen

Bei meinen SAM-Workshops rate ich Unternehmen stets, schlechte Presse und Gerichtsverfahren zu vermeiden. Eigentlich selbstverständlich, doch in der Hektik des Tagesgeschäfts werden SAM-relevante Aspekte leicht einmal übersehen.

Das Bekleidungsunternehmen Forever 21 stellt Mode-Imitate her. 2015 wurde das Unternehmen von Adobe, Autodesk, Corel Corp und WiinZip mit dem Vorwurf der Nutzung von Software-Raubkopien verklagt. Wie in diesem Artikel erläutert wird, erklärten die Kläger, dass Forever 21 „‚vorsätzlich, arglistig und bewusst" mehr als 60 Kopien von Photoshop und anderen Programmen reproduziert und damit die Urheberrechte der Unternehmen verletzt habe.” In der Zwischenzeit verlautbarte Forever 21: das „Software-Unternehmen dränge Kunden, die der Piraterie beschuldigt werden, dazu, exorbitante Lizenz-Gebühren zu bezahlen.“

Im Jahr 2014 wurde die Bank of America von Tibco wegen des Vorwurfs der unlizenzierten Nutzung von Unternehmenssoftware im Wert von 300 Million US-Dollar verklagt. Angeblich lizenzierte Merrill Lynch – eine BofA-Tochter – die Tibco-Software und setzte die Nutzung auch nach Ablauf der Lizenz fort. Auch hier gibt es zwei Perspektiven der gleichen Geschichte. PC World verteidigte BofA und veröffentlichte folgendes Statement: „Zu oft enthalten die Geschäftsbedingungen von Software-Anbietern Fallen, in die Kunden tappen können.“ Mit Blick auf Tibco erklärte der Autor des Artikels „ein Beobachter sagte, das Gerichtsverfahren bedeute eine Lehre für alle Unternehmen. Vorbeugen ist eben besser als Heilen.“ 

Keine Busenfreunde

Eine lückenhafte Darstellung und widersprüchliche Aussagen erschweren es, die wahren Hintergründe zu erfahren. Aus jedem Rechtsstreit lässt sich jedoch eine Lehre ziehen: Ein Gerichtsverfahren beschädigt immer die öffentliche Meinung über ein Unternehmen und kann potenzielle Kunden und Investoren ebenfalls negativ beeinflussen.

Ein Artikel in der Computer Weekly kam zu folgendem Schluss: „Es gibt in dem Fall keinen Gewinner: Sowohl die Bank of America als auch Tibco können nur verlieren. Was Tibco betrifft, so könnten Kunden bzw. potenzielle Kunden nun abwarten, ehe sie ein neues Projekt beginnen, bis Licht in die Sache gekommen ist ...“. Ein Analyst kommentierte: „Aufgrund sich wiederholender Fälle von schwachen Management-Entscheidungen empfehlen wir Investoren, Abstand von der Bank of America zu halten.“

Und das ist einer der Gründe, warum ich SAM betreibe. Während meiner Arbeit bei Aspera unterstütze ich Unternehmen nicht nur dabei, wie man Über- oder Unterlizensierung, Kosten senkt und sich beim nächsten Audit verteidigt, sondern auch wie man genau solche Gerichtsverfahren vermeidet, die mit Geldbußen einhergehen und vor allem das öffentliche Bild beschädigen. Vor diesem Hintergrund ist ein professionelles Lizenzmanagement-System, unterstützt von Beratern, die sich mit den Risiken und Chancen auskennen, ausschlaggebend für Ihren Erfolg.

Fazit: Dem öffentlichen Auge entgeht nichts

Das Still-Foto schlug hohe Wellen bei Facebook. Der Café-Betreiber verärgerte und verprellte einige Fans, überzeugte jedoch andere.

Ein privat geführtes Unternehmen, das von Transaktionen im Wert von fünf bis zehn US-Dollar lebt, hat hier nicht viel zu verlieren. Für einen öffentlich gehandelten Finanz- oder Bekleidungsriesen, der jährlich Milliarden Dollar umsetzt, steht hingegen viel auf dem Spiel. Geldstrafen oder ein Imageschaden können sehr schmerzhaft sein.

Wenn Sie ein Produkt unerlaubt verwenden, wird die Prozesssituation durch Nutzungsschutz- und Datenschutzvorschriften bestimmt. Jedes Produkt unterliegt unterschiedlichen Geschäftsbedingungen. Die einzig mögliche Verteidigungslinie, die Sie nach der Gesetzgebung in gleich welchem Land auch haben, ist im Urheberrecht angesiedelt.



Themen: Software Audits, SAM Insights




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